Femizide (klick hier für das PDF)
von Lorena Wierschem


Triggerwarnung: Der folgende Beitrag thematisiert sexualisierte Gewalt und ihre Folgen und kann auf Betroffene belastend und retraumatisierend sein. Falls du dich mit diesen Themen unwohl fühlen, verzichte auf das Lesen oder lies den Beitrag im Beisein einer anderen Person.
Unterhalb des Textes findest du einige Hilfsangebote, falls du selbst häusliche oder sexualisierte Gewalt erfahren hast, oder jemanden kennst, der Hilfe braucht.


Was ist ein Femizid?
Der Begriff „Femizid“ stammt vom Englischen Wort „Femicide“ ab und wurde 1976 von der Soziologin Diane Russell im Rahmen des „International Tribunal on Crimes against Women“ geprägt. Er bezeichnet die vorsätzliche Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind.
Rusell selbst unterschied dabei zwischen den „mysogynist killings“, d.h. Tötungen aus Frauenhass und Verachtung und den Tötungen an Frauen, weil diese nicht den patriarchalischen Rollenvorstellungen entsprechen und sich der männlichen Kontrolle entziehen.

Täter sind besonders häufig die männlichen Partner/Ex Partner der Frauen - Femizide können aber auch die Tötung von Frauen und Mädchen durch Familienmitglieder beschreiben.
Bei Beziehungstaten haben Männer das Frauenbild einer schwachen und untergeordneten Partnerin verinnerlicht und wähnen sich oft in dem Glauben, dass die Frau ihnen gehöre. Durchbricht ihre Partnerin diese Hierarchieverhältnisse, in dem sie z.B. die Beziehung beendet, erfährt der Mann einen Machtverlust und erkennt Gewalt als einzigen Ausweg. Einen Tätertypus gibt es dabei nicht, die Täter kommen aus allen Schichten.

So viele Femizide geschehen jährlich in Deutschland
Femizide sind ein globales Problem. Auch in Deutschland, lebt eine Frau, die ihren Partner verlässt gefährlich. Jeden Tag versucht ein Mann hierzulande seine Partnerin oder Ex- partnerin umzubringen und jeden dritten Tag ist eine solche Tat erfolgreich. Erst seit 2015 wertet das BKA im Rahmen der Partnerschaftsgewalt die Zahlen von Femiziden statistisch aus. Während andere Gewaltdelikte sich verringern, ist die Zahl von Femiziden stets gleichbleibend alarmierend hoch.
m Jahr 2018 waren es nach Angaben der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik 122 Frauen die durch ihren (Ex-)Partner getötet wurden, 2019 117 Frauen und im Jahr 2020 139 Frauen.

Häusliche und sexualisierte Gewalt im Zuge der Corona Pandemie
Für den Anstieg im Jahr 2020 wird auch die Coronapandemie verantwortlich gemacht, die begünstigt, dass Gewalt gegenüber Frauen im Verborgenen bleibt. Blickt man auf die Zahlen des BKAs, lässt sich insbesondere in den ersten Monaten des ersten Lockdowns (März bis Mai 2020) im Zuge der Corona Pandemie einen statistischen Anstieg gemeldeter Fälle von häuslicher Gewalt erkennen. So war die Zahl der Fälle mit Tatzeit im April 2020 um 2,9% und im Mai 2020 um 3,7% höher als im selben Monat des Vorjahres. In dem Bericht heißt es, dass auch in Monaten, in denen es keinen statistischen Anstieg der Fälle gäbe, zu vermuten sei, dass die Situation während der Pandemie das Anzeigeverhalten von Opfern und die Entdeckungsmöglichkeiten durch Dritte beeinflusst hat, sodass von einer weit höheren Dunkelziffer ausgegangen werden dürfe.

Was tun?
Um Femizide zu verhindern, ist Präventionsarbeit gefragt. Dabei ist elementar allgemein Gewalt gegenüber Frauen zu verringern. Durch Aufklärung darüber, wo Gewalt anfängt. Dass sie vor allem im Privaten geschieht und deshalb auch zwischen liebenden Partner:innen und Familienangehörigen. Konkret müssen bereits Kinder und Jugendliche darüber aufgeklärt werden, was erlaubt ist und was nicht. Wo die Grenzen von Körperverletzung, sexuellen Übergriffen und Nötigungen sowie Vergewaltigung, Bedrohung und Stalking liegen. Lehrkräfte müssen für das Thema sensibilisiert werden, aber auch Justiz und Medien.
Viel zu oft werden in Zeitungsartikel wie teilweise auch in Gerichtsprozessen von „Morden aus Leidenschaft“ oder „Familiendramen“ gesprochen, obwohl Femiziden oft jahrelange Gewalt vorangeht. Täter werden durch den sozialen Kontext der Tötungen von der Rechtsprechung nur wegen Totschlag verurteilt. Viele Aktivist:innen fordern deshalb eine härteres strafrechtliches Vorgehen. Um alle Frauen gleichermaßen zu schützen, ist auch die Stärkung von LQBTIQ+ Rechten elementar, damit Betroffene an sicheren Orten nicht auch noch zusätzlich diskriminiert werden.
Einer der wichtigsten Faktoren im Kampf gegen Gewalt an Frauen ist jedoch ein ausgeprägtes Hilfsangebot für Betroffene. Oft ist die finanzielle Abhängigkeit ein Grund, weshalb Frauen sich nicht aus ihren Beziehungen lösen können. Somit ist es elementar ausreichend Plätze in Frauenhäusern bereitzustellen und Betroffenen ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Weiter sind ausreichend Therapieangebote notwendig – auf Opfer wie auf Täterseite.


Bist du Opfer häuslicher Gewalt oder kennst du jemanden, der vielleicht Hilfe brauchen könnte? Im Folgenden haben wir einige Hilfsangebote zusammengetragen:

Gewalt gegen Frauen (bundesweites Hilfstelefon 24 Stunden am Tag besetzt; anonym und kostenfrei)
Tel. 08000 116 016
www.Hilfetelefon.de

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch (anonym und kostenfrei) Tel. 0800 22 55 530
www.hilfeportal-missbrauch.de

Weißer Ring (anonym und kostenfrei, 7 Tage die Woche 7-22 Uhr) Tel. 116 006

Cora – Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche und sexualisierte Gewalt Tel. 0381 401 02 29
www.cora-mv.de

Frauenhauskoordinierung e.V. (bietet eine Übersicht über freie Plätze in Frauenhäusern und Schutzwohnungen) www.frauenhauskoordinierung.de