Phänomen Dickpics - was tun bei ungefragten Penisbildern? (klick hier für das PDF)
von Kyra Laudor


Einer Studie zufolge haben fast die Hälfte der britischen Frauen zwischen 18 und 36 Jahren schon mindestens einmal im Leben ein Dickpic zugeschickt bekommen, wovon knapp 90% ungefragt versendet wurden. Dieses Ergebnis geht aus einer Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2018 hervor. Im Vergleich dazu gaben 30% der Männer an, schon mal auf Nachfrage hin ein Dickpic versendet zu haben. Und nur 5% der befragten männlichen Personen gaben zu, schon mindestens einmal ungefragt Bilder ihrer Genitalien an andere Menschen gesendet zu haben. Was diese Zahlen wohl deutlich machen ist, dass Dickpics längst kein seltenes Phänomen mehr sind und ein großer Teil der weiblichen* Bevölkerung mindestens einmal im Leben damit in Berührung kommt.

Aber warum schicken manche Männer überhaupt ungefragt Dickpics?

Die Studie „I’ll Show You Mine so You’ll Show Me Yours“ aus dem Jahr 2019 ist eine der ersten, die empirische Belege für die Motivationen (und Persönlichkeitsmerkmale) von fotografischem Exhibitionismus von Männern gesammelt hat. Bei der Auswertung ihrer Umfragen stellten die Wissenschaftler:innen fest, dass die am häufigsten angegebene Motivation für das Versenden von Genitalbildern ein „transactional mindset“ war. Damit ist gemeint, dass die meisten Männer vornehmlich durch die Hoffnung, im Gegenzug Bilder zu erhalten, motiviert seien. Außerdem sei die am häufigsten gewünschte Reaktion die sexuelle Erregung der Empfänger:innen. Trotzdem: Etwa 10% der Männer stimmten der Aussage zu, dass ihnen das Versenden von Dickpics ein Gefühl der Kontrolle über die Person, an die das Foto geschickt wurde, gebe, und fast 6% stimmten folgendem Satz zu: „I feel a sense of dislike towards women and sending dick pics is satisfying.

So unterschiedlich die Gründe für das Versenden von Dickpics auch sein mögen, so verschieden können auch die Reaktionen der Empfänger:innen ausfallen. Während es für die eine Person Ekel, Wut oder möglicherweise sogar ein Gefühl der Scham hervorruft, mag es für andere Menschen belustigend sein. Doch beispielsweise für Personen, die Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt haben, können diese Bilder retraumatisierend sein. Aus diesem Grund sollte der Lösungsansatz niemals sein, die Tat lediglich hinzunehmen oder sogar zu verharmlosen. Denn solange Nachrichten privat gehalten, oder einfach direkt gelöscht werden, bleiben die Konsequenzen und die öffentliche Bewusstmachung des Problems aus.

Was also ist zu tun, wenn man selbst Betroffene:r dieser Handlung wird?

Am besten als Erstes Screenshots der Belästigung als Beweismaterial machen, und den Kontakt oder das Profil melden. Daraufhin kann jederzeit Anzeige gegen den oder die Täter:innen erstattet werden. Die Seite dickstinction.com hilft Betroffenen schnell und einfach eine digitale Strafanzeige zu erstellen.

Die folgenden Informationen sollte man dafür vorab parat haben:
1. Das Datum an dem, und das Medium über das die Datei (also Foto oder Video) empfangen wurde
2. Screenshots der Aufnahme/n und
3. Falls bekannt: Der Name bzw. User-Name des Absenders

Beratungen für Betroffene digitaler Gewalt bietet auch das Aufklärungsprojekt „Law4Schools“.

Protest gegen sexualisierte, digitale Gewalt

Der Instagram-Account „Antiflirting“ macht außerdem über sexualisierte digitale Gewalt aufmerksam. Gegründet wurde er von den Studentinnen Caro und Kim, die regelmäßig echte Nachrichten und Chatverläufe (anonymisiert) veröffentlichen und grenzüberschreitendes Verhalten sichtbar machen. Damit möchten die Beiden erreichen, dass dieses als Form der Gewalt anerkannt wird: „Deshalb heißt unser Account „Antiflirting“. Wir haben nach einem Begriff gesucht, der das Phänomen sofort auf den Punkt bringt. Diesen Ausdruck haben wir darin gefunden, klar zu benennen, worum es nicht geht: um Komplimente, um Annäherung, um Spaß am Kontakt. Wenn ich flirte, nähere ich mich respektvoll. Ich achte auf Signale, ob sich mein Gegenüber wohl fühlt. Beim Flirten möchte ich mein Gegenüber von mir überzeugen. Sexualisierte Gewalt, egal ob analog oder digital, ist das genaue Gegenteil. Ich bin mir sicher, dass die meisten Menschen, die solche Nachrichten verschicken, sehr genau wissen, dass das kein Flirten ist.“